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Ohne Gerechtigkeit keine Gesundheit

PDFPDF DruckenDrucken Elisabeth_Pott_BZgA_80.jpg14. Kongress Armut und Gesundheit setzt auf mehr Chancengleichheit

Berlin. In welchem Zusammenhang stehen die Lebensverhältnisse zur Gesundheit der Menschen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des bundesweiten 14. Kongresses Armut und Gesundheit im Berliner Rathaus Schöneberg. Mehr als 1.700 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis tauschen sich noch bis Samstag über bewährte und innovative Wege der Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung aus. Organisiert wird der Kongress von Gesundheit Berlin.

"Soziale Ungerechtigkeit tötet Menschen in großem Maßstab". Mit dieser eindringlichen Botschaft wendet sich die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem aktuellen Bericht „Soziale Determinanten von Gesundheit“ an die Öffentlichkeit. Der Leiter der gleichnamigen Kommission, Prof. Dr. Michael Marmot, stellt auf Einladung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) den Bericht und Empfehlungen für die Politik auf dem 14. Kongress Armut und Gesundheit vor. Einkommen, Arbeit, Bildung und Teilhabe sind entscheidende Einflussfaktoren, um gesund aufwachsen und leben zu können, so die WHO.

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen betont auf dem Kongress: „Die wachsende Ungleichheit von Gesundheitschancen auch in Deutschland kann nicht allein von der Gesundheitspolitik aufgefangen werden. Entscheidungen über die Verteilung von Gesundheitschancen und damit die Lebenserwartung und Lebensqualität in der Bevölkerung fallen genauso in der Bildungspolitik, Arbeitsmarktpolitik und bei der Einkommensverteilung: Ohne Gerechtigkeit keine Gesundheit!“

Um Prävention und Gesundheitsförderung weiter zu stärken und gerade benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu erreichen, rücken neue Formen der  Zusammenarbeit ins Blickfeld: Mit dem Kooperationsverbund „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ und seinen 52 Partnern gibt es seit fünf Jahren eine breite Gemeinschaftsinitiative, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiiert wurde.

Der Kooperationsverbund unterstützt insbesondere die Verbreitung empfehlenswerter Vorgehensweisen. 85 Beispielprojekte guter Praxis aus ganz Deutschland werden auf www.gesundheitliche-chancengleichheit.de präsentiert und ermutigen zur Nachahmung. „Die Projekte sind gelungene Beispiele dafür, wie Gesundheitsförderung für Menschen in schwierigen Lebenslagen in der Praxis vor Ort verankert werden kann. Unser gemeinsames Ziel ist es, solche erfolgreichen Beispiele bekannt zu machen und den Transfer in andere Kommunen/Regionen zu unterstützen. So wissen wir beispielsweise, dass junge Familien in schwieriger sozialer Lage durch ein Bündel von Maßnahmen wie gute Schwangerschaftsbetreuung, Hebammenhilfe, Elterncafes und Elterngruppen besonders gut erreicht werden“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA.

Drei beispielhafte Projekte guter Praxis haben den diesjährigen BKK-Preis „Auszeichnung für vorbildliche Gesundheitsförderung“ erhalten: Das Programm „Fit und Stark fürs Leben“ für Kindergärten und Schulen in Magdeburg, der „Frauengesundheitstreff“ im sozialen Brennpunkt Bremen-Tenever und „Kinderbrücke“ für Kinder psychisch erkrankter Eltern in Dithmarschen. Den Preis vergibt der BKK Bundesverband gemeinsam mit Gesundheit Berlin jedes Jahr im Vorfeld des Kongresses Armut und Gesundheit.

Der Kongress Armut und Gesundheit als größte bundesweite Public-Health-Veranstaltung thematisiert seit 1995 den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit.  Empirische Daten belegen, dass Personen mit einem niedrigen Einkommen in der Regel früher sterben und häufiger an gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden. Nach jüngsten statistischen Auswertungen haben Männer aus der höchsten von fünf Einkommensgruppen durchschnittlich 14 Lebensjahre mehr bei gutem bis sehr gutem Gesundheitszustand vor sich als Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe. Bei den Frauen beträgt dieser Unterschied zehn Jahre.

Dass in Deutschland eine deutliche Zunahme der Armut zu beklagen ist, hat jüngst eine Studie der Organisation der führenden Industriestaaten (OECD) gezeigt. Laut OECD stieg die Armut in den vergangenen Jahren in Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten am stärksten an, so dass mindestens jeder zehnte Mensch in Deutschland in Armut lebt.

Der Kongress Armut und Gesundheit wird von Gesundheit Berlin, der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung in Berlin, organisiert. Unterstützt wird Gesundheit Berlin dabei von zahlreichen Partnern wie der von BZgA, der Hans-Böckler-Stiftung, Medico international, von Krankenkassenorganisationen wie dem AOK Bundesverband, dem BKK Bundesverband, der Knappschaft, dem VdAK/AEV und den Wohlfahrtsverbänden.

Quelle und Bild: external_link_new_window Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Eingestellt von Werner Tigges, 5. Dezember 2008

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