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LWL sucht Pflegefamilien für geistig und körperlich behinderte Kinder

PDFPDF DruckenDrucken Ostwestjob.comChance auf ein persönlicheres Umfeld

Westfalen-Lippe (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) will in geeigneten Fällen Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen in Pflegefamilien anstatt in Heimen unterbringen. "Wir wollen, dass gehandicapte Kinder auch die Chance bekommen, in einem persönlicheren Umfeld aufwachsen zu können, wenn ihre Herkunftsfamilie ausfällt", erklärte LWL-Sozialdezernent Matthias Münning am Mittwoch (5.8.) in Münster. Bisher leben in Westfalen-Lippe drei betroffene Kinder in Pflegefamilien.

Die LWL-Behindertenhilfe für Westfalen sucht nach geeigneten Kindern und Pflegeeltern. Verschiedene Gründe erschwerten diese Suche allerdings, so Münning. Generell seien viele leibliche Eltern zunächst froh, einen Heimplatz bekommen zu haben. Häufig hätten sie sich oft jahrelang aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs gekümmert, bis sie die Kräfte verlassen würden. Sie könnten sich dann nur sehr schwer vorstellen, dass eine Pflegefamilie diese Rolle übernehmen kann. Zudem sei es schwierig, Pflegeeltern zu finden, da die Heranwachsenden oft schon zwölf Jahre oder älter sind, wenn sie in eine stationäre Einrichtung kommen. "Wir müssen deshalb verstärkt für die neue Betreuungsform werben - bei den leiblichen Eltern, bei Pflegeeltern und bei den Heimen", fordert Münning.


Die LWL-Behindertenhilfe prüft nun bei Anträgen auf Unterbringung in einem Heim, ob für das betroffene Kind nicht auch eine Pflegefamilie in Betracht kommt. "Damit wollen wir die stationären Einrichtungen nicht in Frage stellen", betont Münning. Dort werde gute und engagierte Arbeit geleistet. Dass Kinder in Einzelfällen gleich eine neue Familie finden, sei aber auch im Interesse der Heime. Auf sie wolle der Landschaftsverband außerdem zugehen, um Vereinbarungen über eine stärkere Vermittlung von Heimkindern in Pflegefamilien zu treffen.

Hintergrund:
Bei der Auswahl geeigneter Pflegeeltern profitiert die LWL-Behindertenhilfe vom etablierten Modell der Westfälischen Pflegefamilien im Bereich der Jugendhilfe. Dieses ermöglicht Kindern und Jugendlichen, deren Entwicklung beeinträchtigt ist, in familiärem Rahmen zu leben. Wegen des größeren Betreuungsbedarfs der Betroffenen müssen die Pflegeltern erhöhte Anforderungen erfüllen. Vielfach sind besondere pädagogische, psychologische oder auch medizinisch-pflegerische Fähigkeiten erforderlich.

Alexandra war die Erste
Die 16-jährige Alexandra (Name geändert) aus dem Kreis Soest hat der LWL bereits in eine Pflegefamilie vermitteln können. Sieben Jahre lang lebte sie in einem Heim, dann nahmen sie Kurt und Ramona D., die Alexandra schon lange gut kannten, als Pflegekind auf. Damit war die leibliche Mutter der Jugendlichen einverstanden, was eine Grundvoraussetzung ist.

Alexandra ist binnen weniger Monate zu einem vollständigen Mitglied der Familie geworden. In ihrer Freizeit liest die 16-Jährige viel, sie hört gern Musik und verbringt Zeit bei den Pferden der Familie. Die elfjährige Thabea ist für sie Schwester und beste Freundin zugleich. Im Alltag ist Alexandra wegen ihrer geistigen Behinderung vielfach auf die Hilfe ihrer Pflegefamilie angewiesen. Sie hat Probleme, Zeiten einzuhalten, das fehlende Verständnis für Zahlen erschwert ihr den Umgang mit Geld und damit zum Beispiel den Einkauf. "Wir geben unserer Pflegetochter viele Anweisungen und schaffen ihr auf diese Weise Strukturen im Alltag, die sie selbst nicht entwickeln kann", sagt Pflegevater Kurt, der seit über 20 Jahren in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet. Ohne den "angeleiteten Alltag", wie es Ramona D. bezeichnet, wäre der Jungendlichen ein geregelter Tagesablauf nicht möglich. Unterstützung bei bisherigen Problemen erhielt Familie D. von Klaus Lanwehr, Sozialpädagoge beim Sozialdienst Katholischer Frauen.

Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Foto: LWL-Münster


Eingestellt von Werner Tigges, 5. August 2009

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